Klimaschutz statt Kohleschmutz

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Aufgrund weiterer geplanter Kohlekraftwerke in Wilhelmshaven lief auch die Beluga II im August auch in Wilhelmshaven zur bundesweiten Greenpeace Klimaschutzkampagne ein.
Für ein ganzes Wochenende lag die Beluga am Bontekai, wo wir Informierten, Diskutierten und Unterhielten. Am Samstag abend gab es auch den Kinofilm "Eine unbequeme Wahrheit" vom Vizepräsidenten und Friedensnobelpreisträger Al Gore.

Im Nordosten der Stadt steht ein Steinkohlekraftwerk, welches Strom ins deutsche Stromnetz einspeist. Soweit so gut. Doch E.on und Electrabel planen jeweils eine Erweiterung bzw. einen zusätzlichen Neubau eines Steinkohlekraftwerkes. In ganz Deutschland wird der Bau von derzeit ca. 30 Kohlekraftwerken geprüft und geplant, um ausgleichende zum Atomausstieg verloren gehende Kapazitäten zu substituieren. Statt aber konsequent die zentralistische Stromwirtschaft neu zu gestalten werden alte Wirtschaftsbeziehungen gepflegt und neue Kohlekraftwerksbauten beschlossen.

Aber auch Kohlekraftwerke selbst sind Sicherheitsrisiken. Sie stoßen Unmengen an CO2 aus und beeinflussen damit unser Klima maßgeblich. Statt das Hochspannungsnetz rasch auszubauen, an intelligenten Lösungen wie Smartgrids zu arbeiten oder die erneuerbaren Energien weiter zu fördern, werden alte Machenschaften reaktiviert und verbindliche Klimaschutzziele ignoriert. Obwohl der Staat bislang die CO2 Zertifikate verschenkt hat, diskutiert die Stromwirtschaft über die Vergabe der Zertifikate in der Zukunft. Nach der so genannten Benchmarkvergabe der Zertifikate stehen den Kohlekraftwerken pro erzeugte kWh mehr CO2 Zertifikate zu als z.B. Gaskraftwerken. Damit wurde die Macht dieses Instruments maßgeblich reduziert. Die Interessen der Stromwirtschaft haben sich wieder durch gesetzt. So verwundert es auch nicht, das mit der Öffnung des europäischen Stromnetzes für die Verbraucher und der einhergehenden Schließung der Regulierungsbehörde, die Preise der großen Konzerne weiter erhöht wurden.

Es ist richtig, dass die neuen Kohlekraftwerke effizienter und umweltschonender produzieren, aber mit diesen Neubauten werden die CO2 Ausstoßwerte über Jahrzehnte hinweg zementiert und alte Meiler werden weiter betrieben. Die Chance einer wirklichen Neustrukturierung der Stromproduktion wird mit jedem neuen Kohlekraftwerk ein Stückweit vertan. Wilhelmshaven hat das Meer ins Herz geschlossen – Dieser Slogan wurde oft verkündet. Aber was ist davon geblieben? Klar der Jadebusen mit Herzform ist schon ein markantes geographisches Zeichen aus der Luft. Der Jadebusen ist aber auch gleichzeitig Teil des niedersäschischen Wattenmeeres und neben dem Paradies für Vögel und Meeresbewohner ist der Naturpark auch ein Touristenmagnet. Trotzdem versucht die Stadt die Chancen einer ökologischen Stadtentwicklung zu verschlafen. Neben den bestehenden Chemie-Anlagen, der Raffinerie, dem ganzen Schrott- und Müllgewerbe, dem geplanten JadeWeserPort und dem propagierten Flüssiggasterminal stehen jetzt noch 2 Steinkohlekraftwerks-Neubauten zur Debatte! Also ein Steinkohlekraftwerk reicht ja offensichtlich nicht aus.

Das bestehende Kraftwerk hat eine Leistung von 747 Megawatt und wurde Mitte der 70er Jahre gebaut. Eingeweiht wurde das von den Nordwestdeutschen Kraftwerke AG (NWK) für 520 Mio DM gebaute Kraftwerk am 22. Oktober 1976. Es deckt den Mittellast-Bedarf und hat eine Einsatzzeit von bis zu 6.000 Stunden jährlich. Im Kraftwerk werden täglich ca. 6.000 Tonnen Steinkohle benötigt. Das Kraftwerk ist versorgungstechnisch günstig gelegen, da im nahen Tidehafen des Jadebusens Schiffe mit einer Ladekapazität von bis zu 100.000 Tonnen Steinkohle anlegen können. Zwar ist mit dem nachträglichen Einbau einer Zweigturbine und dem Ersatz der vorhandenen Mitteldruckturbine durch eine noch leistungsfähigere die Effizienz erhöht worden, aber brauchen wir hier wirklich weitere Kohlekraftwerke, obwohl Alternartiven bereits umgesetzt werden ?

E.ON hat Erweiterung des bestehenden Kraftwerk durch einen zweiten bereits genehmigten Block in der Schublade. Electrabel plant ein weiteres 800 MW-Kohlekraftwerk am Standort WHV im Rüstersieler Groden. Mehr zum geplanten Kraftwerk gibt es hier. (PDF Dokument). Eine Erhöhung des Rohstoffausnutzungsgrad durch Kraft-Wärme-Kopplung für den Standort Wilhelmshaven, oder ein erhöhter Wirkungsgrad ( z.B. durch Kohlevergasung IGCC-Technik) gegenüber dem aktuellen Stand ist nicht bekannt. Gemäß der Bundesregierung ist das aber das mindeste um neue Kohlekraftwerke zu genehmigen.

 

Wilhelmshaven 11. August 2007

 

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